Achims neue CD ist da!

ACHIM HODDE

300 years behind time and going nowhere

Wenn dich das Banjo-Fieber erst so richtig gepackt hat, lässt es dich nie wieder los. Sagte ein guter Freund aus Tucson, Arizona, vor knapp 20 Jahren zu mir. Na ja, wie die Amerikaner halt so sind, dachte ich. Viele Jahre später weiß ich nun, dass er recht hatte. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht eins meiner Five-String-Openback-Banjos hervorkrame und darauf spiele. Wobei ich inzwischen höchst diszipliniert vorgehe, sonst höre ich nämlich erst spät in der Nacht auf!

 

Was macht das Banjo mit einem, dass man so darauf reagiert. Es ist das Vorzeitliche an dem Instrument, das Archaische, das mich sofort in seinen Bann gezogen hat. Und damit meine ich nicht die Technik an dem Instrument, wie es hergestellt ist. Die Bauweise war schon vor 200 Jahren erstaunlich weit entwickelt. Nein, es ist der Klang, der den Spieler in die Vergangenheit trägt. Und jedes Banjo hat aufgrund seiner Beschaffenheit - Holz, Größe des Kessels, Länge des Halses, Art des Fells, um nur einige Merkmale zu nennen - eine ganz eigene Art, einen auf diese Reise zu nehmen. Deshalb suchen Banjo-Spieler auch nicht selten ihr Leben lang nach dem einen "Twang", der für sie der richtige ist.

 

Aber es gibt noch etwas, das diese Instrumente einzigartig macht. Das sind die Songs, die auf ihnen gespielt werden. Sie wurden zum Teil ausschließlich für das Banjo geschrieben. Es sind häufig Lieder über Elend, Hunger, Tod und Verderben. Über das ausgesprochen entbehrungsreiche Leben in den nord-amerikanischen Apalachen vor 200 bis 300 Jahren eben. Nichts Romantisches, sondern harte Alltagslyrik. Der Blues, lange bevor es den Blues gab. Man muss das mögen. Wer sich aber darauf einlässt, wird mit einer Musik belohnt, die im positiven Sinne nicht von dieser Welt ist. Wie sagt Bob Thornburg, der in Kalifornien Kürbis-Banjos baut, so schön: "300 years behind time and going nowhere."

 

Achim Hodde