ACHIM HODDE

bewegte Bilder

2015


2009   Deutschen Schloss- und Beschlägemuseum, Velbert 

 

300 YEARS BEHIND THE TIME AND GOING NOWHERE

Five String-Banjos aus der Sammlung Achim Hodde

 

In dieser Ausstellung waren die folgenden Videoclips als Besucherinfo zu sehen:

Video: Reiner de Bruyckere

Ein Klang, der mich immer wieder begeistert: Das Whyte Ladie Banjo mit dem gleichnamigen Tonring,  gebaut von A. C. Fairbanks (und später Vega), stellte zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine kleine Revolution  in der Welt des Banjo-Baus dar. Der Sound des Indtruments wurde durch den gewellten Tonring einzigartig. Das Whyte Laydie Banjo gab es in den Ausführungen No 2 und No 7, die sich lediglich in der Optik voneinander unterschieden. 

Ich spiele hier auf einer No 2-Kopie, gebaut von Norbert Pietsch/Bremen , das alte Traditional "Mole in the Ground" im klassischen Frailing-Style.

Im Jahre 1909 gab die Firma Vega unter Fairbanks Label ein Banjo heraus, dem sie den Namen "Tubaphone" gab. So wurde denn auch der Tonring bezeichnet, der sich ganz wesentlich vom Whyte Laydie-Tonring unterschied. Er war sehr breit, von Löchern durchbohrt und hatte für Open back-Banjos einen unglaublich lauten Klang. Das Tubaphone setzte sich vor allem bei Profi- Musikern durch, die vor größerem Publikum auftraten. Für den Song "Pretty Polly", den ich hier mit zwei  Fingern "picke", ist dieser Sound recht geeignet. Ansonsten bevorzuge ich eher Banjos mit einem zurückhaltenderen Klang.

Das S. S. Stewart Banjo, Modell "20th Century", das ich hier spiele, ist schon eine kleine Berühmtheit. Es war vor vielen Jahren Teil der Sammlung des Japaners Akira Tsumura und wurde auch in seinem Buch "1001 Banjos" erwähnt. Dieses Buch hatte eine Auflage von 2500, ist nicht mehr erhältlich und erzielte zum Schluss Preise von zum Teil über 2000 Dollar pro Kopie. Tsumuras Sammlung ereilte ein trauriges Schicksal, das man im Internet nachlesen kann. Das  "20th Century" ist mit Darmsaiten bespannt und eignet sich damit klanglich hervorragend zu dem Lied "TheOrphan Girl", das ich hier präsentiere.

J. B. Schall wurde Mitte des 19. Jahrhunderts in Montana geboren und hatte deutsche Vorfahren. Er war zunächst als Steinmetz tätig und spielte das Banjo in seiner Freizeit. 1870 eröffnete er eine Produktionsstätte für Banjos in Chicago.  Schall hatte eine ganz eigene Bauart. Die Intarsien, mit denen er seine Banjos verzierte, bestanden - anders als bei seinen Konkurrenten - häufig nicht aus Perlmutt, sondern aus Metall. J. B. Schall starb bei einem Konzert in Chicago, für das er eigens zwei Banjos  gebaut hatte, an einem Infarkt. Der tiefe Klang des Intrumentes eignet sich sehr gut für das traurige Traditional "Oh Death".

Dass auch die Engländer in der Kunst des Banjo-Baus sehr bewandert waren, steht ohne Zweifel. Bereits früh experimentierten sie mit verschiedenen Materialien im Holz- und Metallbereich und brachten etliche Innovationen auf den Markt. Zu ihren Protagonisten zählte sicherlich auch Richard Cook vom Music Warehouse in London. Er stattete den Holzkessel im Innerern mit unterschiedlich dicken Metallplatten aus, um den Klang zu verändern. Das 6-saitige Banjo, das ich hier spiele, eignet sich sehr schön für Instrumentalstücke oder für bestimmte Mintrel-Songs mit Gesangsbegleitung.