2018 - Banjo-Gathering im "Birthplace of Country Music" - Museum

Selbstredend gibt es auch in Deutschland inzwischen 5-String Banjo-Treffen, auf denen sich die Fans dieses Instrumentes und der dazu gehörenden Musik alljährlich austauschen und gemeinsam jammen. Stellvertretend genannt seien hier nur das Banjoree an der Proitzer Mühle im Wendland sowie das Bluegrass Camp in Oberbayern. Die Mutter aller Treffen jedoch ist das nordamerikanische Banjo-Gathering, das seit 1998 jedes Jahr an einem anderen Ort stattfindet. Das 20. Jubiläum wurde Anfang November vergangenen Jahres in Bristol gefeiert, einer kleinen Stadt mit etwa 25 000 Einwohnern auf der Grenze von Virginia und Tennessee. Austragungsort dieser denkwürdigen Veranstaltung war das "Birthplace of Country Music"-Museum, einer Dependance des Smithsonian Museum in Washington.

 

1927 kam Ralph Peer von Victor Records nach Bristol, um lokale Volksmusik aufzunehmen. Bei diesen Bristol Sessions wurden unter anderem Debüt-Aufnahmen von der Carter Family und Jimmie Rodgers gemacht, die heute zu den ersten großen Country-Stars gezählt werden. Welch würdige Kulisse für ein Treffen der besten 5-String Banjo-Spieler und der namhaftesten Sammler, Hersteller und Händler dieses uramerikanischen Intruments.  

 

Der größte Saal des Museums war vier Tage für die begrenzte Anzahl von 100 Banjo-Freunden reserviert. Die Ausstellungstische bogen sich unter den seltenen und wunderschönen Instrumenten. Ob Fairbanks, Cole, Stewart, Tilton, Gibson – alles, was die Augen tellerweit öffnet, war vertreten und konnte begutachtet werden. Banjos, die man unter Umständen nur einmal im Leben zu sehen und (mit gütiger Erlaubnis der Besitzer) zu spielen bekommt. Ein Fest für die Sinne. Workshops gibt’s hier nicht. Die meisten Besucher spielen das Banjo eh von Kindesbeinen an. Wen es zu diesen Gatherings zieht, ist in erster Linie Sammler und will sich darüber informieren, was sich auf dem Markt tut.

 

Da gibt’s Referate über die Anfänge des Banjos ebenso wie über die Pläne von digitalen Museen. Der Urenkel der Nashville-Größe Uncle Dave Macon, Michael Doubler, plaudert aus dem Nähkästchen, Michael Wright erläutert den Einfluss des 5-String Banjos auf die klassische Hawaii Musik. Ein musikalischer Ausflug, der den Zuhörer erstaunt zurücklässt. Und natürlich sind auch die derzeitige Herstellung von Banjos und die aktuellen Verkaufszahlen von größtem Interesse in der Branche. Die angereisten Banjo-Bauer Kevin Enoch und Richard Scott Newman, aber auch Händler wie Bernunzio, Elderly oder Smakula präsentieren dazu ihre schönsten Modelle.

 

Wie jedes Jahr widmet sich ein Aussteller einer ganz speziellen Banjo-Marke. Zum 20. Jubiläum haben Joe Hornung und Norm Peterson einen Teil ihrer frühen Stewart-Banjos nach Bristol geholt. Rund 50 Exemplare in allen Größen waren zu bestaunen. Auf die Frage, was seine Frau zu der gewaltigen Menge an Sammlerstücken sage, meint Norm lakonisch: „Stewart-Banjos ähneln sich in mancherlei Hinsicht. Da fällt es nicht auf, wenn ein neues hinzukommt.“ Da haben es andere Sammler schon schwerer...

 

 

Höhepunkt des Treffens ist sicherlich das Jubiäums-Konzert mit den Banjo-Größen Adam Hurt, Cathy Fink & Marcy Marxer, Bill Evans, Bob Carlin, George Gibson, Clifton Hicks, Jake Blount, Aaron Jonah Lewis und Greg Adams. Übertragen wird der einstündige Gig über den museumseigenen Radiosender WBCM. Wer ein bisschen von der Atmosphäre dieses Ortes schnuppern möchte, dem sei geraten: Go online and tune in.